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T RÄUME. Leben rund um die Uhr 05 Uhr - HARRY GRUBER RETTET LEBENSMITTEL

Was macht einen Ort zu dem, was er ist? Anhand der Stunden eines Tages zeigt die Ausstellung T RÄUME 24 Porträts von Menschen, die mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wirken die Räume unseres Stadtquartiers nachhaltig prägen oder geprägt haben.

Harry Gruber im Container Collective. T RÄUME - 24 Stunden im Werksviertel-Mitte. Eine Ausstellung zum 30-jährigen Jubläum der Werksviertel-Mitte Stiftung. Fotograf Julian Schulz Copyright: Julian Schulz

HARRY GRUBER RETTET LEBENSMITTEL

Wer Lebensmittel retten will, der muss früh aufstehen. „Wir leben im absoluten Überfluss“, sagt Harry Gruber. Er ist einer der Gründer des Vereins Grüne Tomaten Foodrescue e.V., der im Container Collective im Werksviertel-Mitte zu Hause ist. Ein Teil der Lebensmittel, die der Verein rettet, wird im eigenen Tagescafé im Container Collective verkauft oder verkocht. Der andere Teil wird an Partner verteilt sowie an Interessenten wöchentlich in eigens zusammengestellten Rescue-Boxen geliefert.

IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2021

Die Geschichte des Lebensmittelretters Harry Gruber beginnt mit einem riesigen Abfallcontainer, der bis oben mit reifen Mangos gefüllt ist. Dieser Container steht auf dem Großmarkt in München. Die Mangos sollen weggeworfen werden, obwohl die meisten noch essbar sind. Harry Gruber ist damals Gastronom. Er will wie so oft in aller Herrgottsfrühe auf dem Markt für seine Lokale einkaufen. Doch der Anblick der Mangos im Abfallcontainer verändert etwas in ihm. „Ich bin dieses Bild nicht mehr losgeworden. In dem Moment habe ich gedacht: Wir müssen anfangen etwas zu verändern.“ Es ist das Jahr 2020. Und Harry Gruber fängt mit der Veränderung dort an, wo er die größten Erfolgsaussichten hat: bei sich selbst.

Noch bevor das Jahr zu Ende geht, gründet Gruber mit vier Mitstreitern den Grüne Tomaten Foodrescue e.V. Anfang 2021 zieht der Verein ins Werksviertel. Ausgerechnet ins Container Collective, eine bunte Ansammlung ausrangierter Schiffscontainer, die hier ein zweites Leben bekommen haben und als Werkstätten, Ateliers, Büros oder – wie vom Grüne Tomaten Foodrescue e.V. – als Tagescafé genutzt werden. Gerettete Lebensmittel, gerettete Schiffscontainer. Eine seltsame Parallele.

Das Areal des Werksviertels kennt Harry Gruber noch aus seiner Jugend. Er ist in der Nachbarschaft in Haidhausen aufgewachsen. Er hat die letzten Tage der Pfanni-Kartoffelfabrik ebenso erlebt wie die Partynächte in den Technoclubs im Kunstpark Ost. Dass der gelernte Koch ausgerechnet im runderneuerten Werksviertel mit seinem Herzensprojekt landen wird, gehört wohl in die Kategorie Schicksal.

„Wir leben im absoluten Überfluss“, sagt Harry Gruber. Im Gespräch mit ihm merkt man schnell, dass ihn das Thema der Lebensmittelverschwendung sehr bewegt. Im Großmarkt fällt ja nicht nur der eine Abfallcontainer mit Mangos an. Jeden Tag kommen mehrere Paletten an Lebensmitteln hinzu, weil Händler auf dem Markt beispielsweise Packungen einfach aufreißen, um die Ware zu probieren. In den Handel gehen die geöffneten Packungen natürlich nicht mehr.

Kein Wunder, dass 30 bis 50 Prozent der weltweiten Ernte am Ende wegen Transportschäden oder falscher Handhabung in der Mülltonne landen. Im Verkaufspreis sei diese wahnsinnige Verschwendung bereits mit eingerechnet. Wenn Harry Gruber die Möglichkeit hat, rettet er aber natürlich auch Avocados. „Wenn die Früchte schon einmal bei uns sind, dann sollten wir sie auch verbrauchen.“

Wie das möglichst kreativ geht, zeigt der gelernte Koch unter der Woche in seinem Tagescafé, das sich gleich am Eingang des Werksviertel-Mitte befindet. Drei, vier ständig wechselnde Tagesgerichte gibt es zur Auswahl. Wer will, kann hier auch gerettetes Obst und Gemüse einkaufen. Steht man im Café-Container an der Kasse und hebt den Blick kurz nach rechts, sieht man ein großes Foto. Das Bild zeigt einen riesigen Abfallcontainer, der bis oben hin mit reifen Mangos gefüllt ist. Ein Anblick, der schmerzt. Doch zum Glück gibt es ja jetzt jemanden, der sich um diese Mangos kümmert.

FOTOGRAFIERT IM CONTAINER COLLECTIVE
Rund 30 miteinander verbundene und übereinandergestapelte, ausrangierte Frachtcontainer bilden heute das Container Collective. Im Ensemble, das den Eingangsbereich des Werksviertel-Mitte markiert, sind Werkstätten, Ateliers, Gastronomie und Eventflächen untergebracht. 2021 wurde das Container Collective mit dem Sonderpreis für Baukultur als „Ort des guten Zusammenlebens“ ausgezeichnet.

Früher befand sich hier die Kartoffelkippe der Pfanni-Werke. Mit ihr wurden die Kartoffelanhänger nach dem Wiegen ausgekippt.

T RÄUME.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers.
Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.

Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18

Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr

Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026

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