GERADI RADE SCHWEISST ALLES ZUSAMMEN
Geradi Rade ist Gestalter und Einrichter. Er baut unter anderem Stadt- und Büromöbel sowie Einrichtungen für Clubs oder Restaurants. Viele seiner Werke sind auch im Werksviertel zu finden, wo er seit rund drei Jahrzehnten mit seiner Werkstatt zu Hause ist.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 1995
Wer das Werksviertel besucht, kommt an der Arbeit von Geradi Rade nicht vorbei. Da sind zum Beispiel die Blumenkübel, Sitzgelegenheiten oder Abfallwägen zwischen dem WERK3 und dem Knödelplatz. Die Stadtmöbel aus Holz und Stahl stehen auf Rädern, mit denen sie auf den Schienen der alten Pfanni-Werke hin- und hergefahren werden können. Je nachdem, ob sie gebraucht werden oder für eine Veranstaltung Platz machen sollen. Wer ein Stück weiter über den Knödelplatz in Richtung des WERK12 schaut, entdeckt auf der Terrasse des indischen Restaurants Bindaas fast 5 Meter große Stahlschirme, deren Form an die berühmten Supertrees aus Singapur erinnert. Die Superbäume im Werksviertel hat ebenfalls Geradi Rade entworfen und gebaut. Wer um die Weihnachtszeit kommt, entdeckt über den Köpfen die Skulptur eines Pegasus. Und dann wären da noch die große Lokomotive, die Raumteiler im Thai-Lokal Khanittha, die Fässer in der Brauerei des Werksviertel Bräu oder der Warenpaternoster im Kiosk des WERK3.
Stolz ist Geradi Rade auch auf das neue OTTO·25·, die höchste Bar Münchens auf und unter dem Dach des WERK4. „Dort haben wir unter anderem alte Bleche und Tragglasscheiben aus meiner alten Halle verbaut“, erzählt er. Seine alte Halle, das war einmal das WERK5, die Energiezentrale der Pfanni-Werke. Später in Zeiten der Zwischennutzung der Natraj Temple, ein Goa- und Techno-Club, in dem Geradi gern getanzt hat. Und noch später wurde daraus eben Geradis Werkstatt. In der konnte er sich richtig austoben. Beruflich und privat, wenn er manchmal oben auf dem Dach des Hauses seine eigenen Partys feierte. Noch heute geht der mittlerweile 60-Jährige gern auf Partys und Festivals.
Von den alten Räumlichkeiten ist heute nur noch ein riesiges Stahlskelett übrig. In ein paar Jahren soll das WERK5 wieder instandgesetzt werden. Geradis neue Werkstatt befindet sich im neugebauten WERK13. Zwar fehlt es noch ein bisschen an der Patina, doch die überall verstreuten skurrilen Einrichtungsgegenstände – etwa ein telefonierender Bronzeaffe – sorgen auch hier schon wieder für eine besondere Atmosphäre. „Ich bin einfach dankbar, dass ich noch immer hier sein kann“, sagt Geradi. An jenem Ort, den er seit 30 Jahren mitgestaltet, und an dem er das Leben führen kann, das ihn erfüllt. Wo würde er denn sonst mitten in München noch einen bezahlbaren Raum in einer Größenordnung finden, die er für seine Arbeit braucht?
Von der neuen Werkstatt an der Speicherstraße blickt Geradi übrigens direkt auf die Terrasse der NachtKantine. Klar, dass er auch dort mit seiner Arbeit dafür gesorgt hat, dass die Menschen sich besonders wohlfühlen, wenn sie Platz nehmen. Wer beim Essen Hammerschläge oder das Knattern eines Schweißgerätes hört: Neben dem kostenlosen Gruß aus der Küche gibt’s im Werksviertel eben manchmal auch einen Gruß aus der Werkstatt gratis mit obendrauf.
FOTOGRAFIERT IM WERK13
Im WERK13 befinden sich heute Büros, Einzelhandel und Gastronomie sowie die Werkstätten diverser Handwerker. Das neue WERK ist ein Neubau, in den das bereits auf dem Gelände vorhandene Technikum integriert wurde. Zu Pfanni-Zeiten war das Technikum die Versuchs- und Entwicklungsabteilung der Kartoffelfabrik. Hier wurden neue Pfanni-Produkte entwickelt, erprobt und der Produktionsablauf getestet. Heute ist das Technikum eine Musikbühne und Eventfläche.
Das neue WERK13 schließt direkt an das WERK7 theater an. Äußerlich werden beide Gebäude durch die stringente, industriell geprägte Architektursprache jedoch als Gesamtensemble wahrgenommen. Ein grün beleuchteter Dachreiter hält beide Gebäude wie eine Spange zusammen, ebenso wie die Wellblechelemente in den Fassaden.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026