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T RÄUME. Leben rund um die Uhr 23 Uhr - BENNI PLAHL GIBT HALT

Was macht einen Ort zu dem, was er ist? Anhand der Stunden eines Tages zeigt die Ausstellung T RÄUME 24 Porträts von Menschen, die mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wirken die Räume unseres Stadtquartiers nachhaltig prägen oder geprägt haben.

Benjamin Plahl in der Kletterhalle im WERK4. T RÄUME - 24 Stunden im Werksviertel-Mitte. Eine Ausstellung zum 30-jährigen Jubläum der Werksviertel-Mitte Stiftung. Fotograf Julian Schulz Copyright: Julian Schulz

BENNI PLAHL GIBT HALT

Benjamin Plahl ist Geschäftsführer der IG Klettern München & Südbayern e.V. Der Verein unterhält seit fast 30 Jahren die Kletter- und Boulderhalle Heavens Gate auf dem Gelände der Pfanni-Werke. Nicht irgendwo, sondern in den 30 Meter hohen alten Kartoffelflocken-Silos, die extralange Routen ermöglichen. 2021 wurde die Halle komplett saniert. Für den Verein ist Klettern sehr viel mehr als reine Freizeitbeschäftigung. Mit dem wegweisenden Inklusionsprojekt „Bayerns beste Gipfelstürmer“ unterstützt und ermutigt die IGKMS Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen, über sich hinauszuwachsen.

IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 1998

Meterdicke Betonwände. 30 Meter hoch. Scheinbar für die Ewigkeit gebaut. So stabil, dass man später sogar ein Hotel auf ihnen bauen wird. Was stellt man nur mit diesen alten Kartoffelflocken-Silos aus den Pfanni-Werken an? Das Abtragen der Wände wäre eine Mammutaufgabe, die jede Menge Zeit und Geld verschlingen würde. Ganz abgesehen von den Umweltkosten, die mit dem Abtransport einhergingen. Hinsichtlich genau dieser Frage hatten die damaligen Mitinitiatoren der IG Klettern München & Südbayern (IGKMS) – Richard und Andrea Ebert – vor mehr als 25 Jahren eine außergewöhnliche Idee. Ende der Neunzigerjahre waren die Kletterenthusiasten auf der Suche nach einer eigenen Halle in München. Ihr Sport steckte damals in München noch in den Kinderschuhen. Es gab kaum Möglichkeiten in der Stadt zu trainieren. Und schon gar nicht so, wie die IGKMS es wollte: inklusiv. „Schon damals war es uns wichtig, allen Menschen das Klettern zu ermöglichen“, erzählt Benjamin Plahl. Zum Beispiel auch blinden Menschen. Für die stellt jedoch eine einfache vergessene Schraube in der Wand eine ganz andere Gefahr dar als für einen sehenden Menschen. „Dort, wo wir sonst klettern konnten, wurde auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten nicht so sehr geachtet.“

Als Vertreter der IGKMS 1997 im damaligen Kunstpark Ost in den ehemaligen Kartoffelflockensilos stehen, fahren die Gefühle Achterbahn. Dass die Silos von der Höhe und der Beschaffenheit her ein Geschenk für Kletterer sind, war sofort klar. Doch der Zustand, in dem sich die Betonkolosse befanden, war alles andere als einladend und schon gar nicht klettertauglich. Um hier wirklich klettern zu können, brauchte es ein kleines Wunder. An genau diesem arbeiteten die damals 35 Mitglieder der IGKMS mehr als ein Jahr lang. Sie steckten unzählige Arbeitsstunden in die Halle, warben erfolgreich um finanzielle Unterstützung und Sponsoren. Bis 1998 das Heavens Gate – Deutschlands größte Kletterhalle zu dieser Zeit – eröffnet werden konnte. Die zehn bis zu 30 Meter hohen Kletterrouten waren eine Sensation. Und endlich konnten die Mitglieder der IGKMS so klettern, wie sie es wollten. Mit blinden Menschen. Mit Menschen mit Behinderungen. Später auch mit traumatisierten Menschen. „Inklusion war und ist schon immer der Antrieb unseres Vereins gewesen.“ Die Aktionen und Angebote werden heute im Projekt „Bayerns beste Gipfelstürmer“ zusammengeführt.

Aus den improvisierten Zuständen zu Kunstpark-Ost-Zeiten erwuchsen mit der Zeit immer professionellere Strukturen. Heute zählt die IG Klettern München & Südbayern 1200 Mitglieder. 2021 wurde das Heavens Gate nach vierjähriger Umbauphase wiedereröffnet. Die Kletterhalle ist nun kein Solitär mehr, sondern umhüllt von einem Hostel und einem Hotel und mit einer spektakulären Außenkletterwand versehen, die immer wieder für Staunen sorgt.

Trotz aller Herausforderungen und Professionalisierung hat sich der Verein eine wunderbar spielerische Art bewahrt. Etwa wenn man auf Veranstaltungen wie dem DAY OF HOPE oder dem JuKi-Festival im Werksviertel das beliebte Bierkastenklettern veranstaltet. Eine Mordsgaudi, auch für Kinder. Dass der Klettersport aktuell etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, ist bedauerlich. Schließlich ist das Klettern noch immer eine großartige Metapher dafür, wie gesellschaftliches Zusammenleben und der Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft im besten Fall funktionieren sollten. Wer vor einer großen Kletterwand steht, hat schließlich in der Regel erst einmal keine Ahnung, wie er das schaffen soll. Sie ist von unten unmöglich zu überblicken. Doch dann startet man einfach, sucht einen Halt, findet ihn und zieht sich empor. Schritt für Schritt. Und greift man doch einmal daneben oder fehlt die Kraft für den gewählten Weg, ist man von einem Partner oder einer Partnerin gesichert, die den Sturz abfängt. Man klettert weiter, probiert einen neuen Weg. Bis man schließlich oben angekommen ist. Und vor Stolz und Selbstvertrauen platzt.

FOTOGRAFIERT IM WERK4
Im WERK4 befanden sich zu Pfanni-Zeiten die Silos, in denen das im Herstellungsprozess anfallende Kartoffelmehl gelagert wurde. Ab den 1950er-Jahren entstanden insgesamt drei Silos, von denen heute noch eines erhalten ist. Dieses wird heute von der Kletterhalle Heavens Gate genutzt und ermöglicht bis zu 30 Meter lange Kletterrouten. Die Silos sind komplett in das neue WERK4 integriert, in dem sich neben der Kletter- und Boulderhalle auch ein Hostel und ein Hotel befinden – mit insgesamt 1000 Betten.

T RÄUME.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers.
Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.

Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18

Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr

Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026

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