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T RÄUME. Leben rund um die Uhr 24 Uhr - ILLIA SAMSONOV IST SO FREI

Was macht einen Ort zu dem, was er ist? Anhand der Stunden eines Tages zeigt die Ausstellung T RÄUME 24 Porträts von Menschen, die mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wirken die Räume unseres Stadtquartiers nachhaltig prägen oder geprägt haben.

Illia Samsonov auf dem Rooftop der OTTO25 Bar. T RÄUME - 24 Stunden im Werksviertel-Mitte. Eine Ausstellung zum 30-jährigen Jubiläum der Werksviertel-Mitte Stiftung. Fotograf Julian Schulz Copyright: Julian Schulz

ILLIA SAMSONOV IST SO FREI

Illia Samsonov war stellvertretender Geschäftsleiter des OTTO·25·, der höchsten Bar Münchens. Sie befindet sich in der 25. Etage des WERK4 im Werksviertel.

IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2025

Illia Samsonov steht auf dem Rooftop des OTTO·25·. Hinter ihm leuchtet eine große orangefarbene Kugel. Über ihm öffnet sich der Nachthimmel in die Unendlichkeit. Immer wieder wechselt die Helligkeit der Kugel sanft. Es ist keine gewöhnliche Kugel. Und sie hat auch nicht zufällig hier oben ihren Platz gefunden. Jahrelang war sie die Spitze eines Leuchtturms, der den Eingang zur Kultfabrik markierte. 2003 folgte die Kultfabrik hier auf dem alten Pfanni-Werksgelände dem Partyareal Kunstpark Ost. Illia Samsonov war damals gerade zwei Jahre alt. Zwölf Jahre lang wurde im Münchner Osten weiterhin wild gefeiert. 2015 wich die Kultfabrik schließlich offiziell dem Werksviertel. Das Ende des Leuchtturms, aber nicht der Kugel. Wie andere Gegenstände aus der Vergangenheit fand auch sie einen neuen Platz im Werksviertel.

Dass Illia Samsonov ins Werksviertel fand, ist unter anderem seiner Abneigung gegenüber Büros zu verdanken. Lediglich anderthalb Monate hielt es Illia Samsonov in einem solchen aus. „Ich habe damals ein Praktikum bei der Eisenbahn gemacht.“ Danach wusste der 25-Jährige, dass er sich sein Leben anders vorstellt. Vielfältiger. Abwechslungsreicher. Lebendiger. Also hängte der junge Illia Samsonov seine Karriere als Diplom-Ingenieur an den Nagel und machte das, was ihm schon seit seiner Jugend Spaß gemacht hatte: in der Gastronomie arbeiten. „2018 habe ich einen Sommerjob gesucht und in einem Restaurant bei mir zuhause im Service angefangen.“ Das war damals noch in der Ukraine. Als seine Heimat überfallen und mit Krieg überzogen wird, studiert Illia Samsonov bereits in der Slowakei. Von dort führt sein Weg 2023 nach München. Ins Werksviertel und ins OTTO·25· kommt er im September 2025. Ein Freund, ebenfalls in der Gastro beschäftigt, erzählte ihm von dem Projekt. „Die höchste Bar Münchens. Das wollte ich mir unbedingt anschauen.“ Als Illia Samsonov das erste Mal im Werksviertel ist, gefällt ihm die Offenheit des Quartiers. „Der Ort fühlt sich an wie ein Open Space. Jeder kann kommen, sich irgendwo hinsetzen und einfach nur schauen.“ Oder sich in den Restaurants oder Bars ins Getümmel stürzen. So wie Illia Samsonov in das Projekt OTTO·25·. Er entwickelt Drinks und die Karte mit, lernt neues Servicepersonal an. „Für mich ist das OTTO·25· mein Baby“, sagt er und lacht. „Meine ganze Energie und mein Herzblut stecken hier drin.“ An seiner Arbeit in der Gastronomie gefällt ihm, dass jeder Tag anders ist. „Du lernst immer wieder neue Menschen kennen. Es wird einfach nie langweilig.“

Eines Tages möchte er gern eine eigene Bar haben. Davon träumt er seit seiner Kindheit. Es soll natürlich auch eine Cocktailbar werden. „Schick, nicht luxuriös, aber eben auch keine Kneipe.“ Seine Bar soll ein Ort sein, an dem sich die Menschen fühlen, „als wären sie bei mir zuhause“. Ob diese Bar in München stehen wird? Oder ganz woanders? Das weiß Illia Samsonov noch nicht.

FOTOGRAFIERT IM WERK4
Bei der Gestaltung des OTTO·25· ganz oben im WERK4 flossen bewusst auch alte Elemente aus der Zeit der Zwischennutzung des Geländes als Partyareal mit ein. Etwa das gemeinsame Kunstwerk der Street-Art-Künstler Stir aus Madrid sowie Tazele aus Hamburg. Die beiden schufen vor mehr als 20 Jahren auf den Glasscheiben des alten Pfanni-Kraftwerks (WERK5) das Bild einer leidenschaftlich blickenden Frau, deren Gesicht mit dem textlichen Claim „Eat. Repeat. Repeat. Re.“ versehen war. Beides ist heute in die 2025 eröffnete Bar integriert.

Auch die leuchtend orangefarbene Kugel auf dem Rooftop des OTTO·25· blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie gehörte einst zu dem Leuchtturm am Eingang der Kultfabrik.

T RÄUME.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers.
Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.

Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18

Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr

Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026

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