YOUJIN YI ERGRÜNDET DAS UNBEWUSSTE
Youjin Yi ist eine von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern der whiteBOX-Ateliers. Ihre Bilder leben auch von dem besonderen Flow, der entsteht, wenn sich das Unterbewusstsein der Künstlerin mit der geschäftigen Energie des Viertels verbindet. Die Bilder der 45-Jährigen, die seit 10 Jahren im Werksviertel entstehen, werden heute nicht nur in München, sondern auch in Berlin, Paris, Hongkong, in Südkorea und in den USA ausgestellt.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2016
Wenn Youjin Yis Hände nicht mehr weiterwissen, stellt sich die Malerin oft an das große Fenster ihres Ateliers im WERK3 und schaut hinaus auf das geschäftige Treiben im Werksviertel.
Da gibt es zum Beispiel die Sportler im WERK12 gegenüber, die fleißig trainieren. Touristen, die mit ihren Koffern unterwegs zum Wombats oder zum Adina Hotel sind. Leute aus den Büros, auf der Suche nach einem guten Mittagessen. Menschen voller Vorfreude in der Schlange vor dem WERK7 theater. In diesem Moment ist die Künstlerin gleichzeitig verbunden mit dem Treiben da draußen und doch im sicheren Abstand, hinter den Fensterscheiben ihres Ateliers. Minutenlang lässt sie all die kleinen Szenen der „Menschenlandschaft“ auf sich wirken. Ohne Plan. Ohne nach etwas Bestimmtem zu suchen. Bis ihre Hände weiterwissen und Youjin Yi sich wieder ihren Farben und Pinseln zuwendet, die sie gekonnt über ihre Bilder führt. „Das ist ein sehr intimer Moment, in dem ich mich selbst auch ganz anders wahrnehme“, kommentiert die Südkoreanerin. In der Natur könnte sie nicht malen.
Ihre Kunst brauche das Gespräch mit der Welt und den Flow, der entsteht, wenn sich ihr Unterbewusstsein mit der urbanen Außenwelt verbindet. „Wenn ich ein Bild beginne, weiß ich in der Regel nicht, wie es am Ende aussehen wird.“ Und doch füge sich am Ende alles genau so, wie es für Youjin Yi richtig ist. Die künstlerische Kreativität bleibt eben immer auch ein Stück weit ein Mysterium. Mit einer Idee allein ist es ja nicht getan, die Idee muss sich auch gut anfühlen. Und vielleicht ist das ja die größte Stärke von Künstlern und Kreativen: Das Aushalten von Ungewissheit, bis diese im Schöpfungsprozess zur Gewissheit wird. Das Werksviertel jedenfalls ist durch Youjin Yis Bilder, die in München, Berlin, Paris, Hongkong, in Südkorea und in den USA ausgestellt werden, auf eine besondere Weise mit der Welt verbunden.
FOTOGRAFIERT IM WERK3
Der Bau des WERK3 begann in den 1960er-Jahren als reines Produktionsgebäude der Pfanni-Werke. Über Jahrzehnte wurden hier tonnenweise Kartoffeln zu halbfertigen Knödeln und Püreepulver verarbeitet. Nachdem die Pfanni-Produktion am Standort aufgegeben wurde, traf die OTEC als Bauherrin und Nachfolgeunternehmen die Entscheidung, den Riegel nicht abzureißen. Mit dem Erhalt des Gebäudes sollte die eigene Geschichte präsent bleiben.
Im Zuge der Sanierung wurde das Gebäude komplett entkernt, das oberste Geschoss abgebrochen und durch eine zweigeschossige Aufstockung über die gesamte Länge ersetzt. Zusätzlich wurde der Riegel um einen fünften Bauabschnitt verlängert. So erreicht das WERK3 heute eine Länge von rund 125 Metern.
Heute befinden sich im WERK3 über 50 unterschiedliche Unternehmen, darunter Büros internationaler Konzerne, Ateliers von Künstlern, Nachtclubs, diverse Einzelhändler, ein Kiosk und eine vielfältige Gastronomie.
2021 gewann das Gebäude WERK3 den renommierten Staatspreis „Bauen im Bestand“ der Bayerischen Staatsregierung.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026