MONIKA KÖHN LÄSST KINDER WACHSEN
Um 8 Uhr in der Früh erwacht auch das Leben in der Kinderinsel, der KiTa im Werksviertel-Mitte. Als Monika Köhn dort ihre Stelle antrat, sagte sie sich: „Solange ich hier etwas lernen kann, bleibe ich.“ Das war vor mehr als 20 Jahren. Heute ist die Erzieherin stellvertretende Leiterin der Kinderinsel und Gruppenleitung des Kinderinsel-Kindergartens. Die von einer Elterninitiative aufgebaute KiTa ist in der ehemaligen Kartoffelprüfstelle der Landwirtschaftsabteilung der Pfanni-Werke untergebracht.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2003
Wer die Chronik der Kinderinsel durchblättert, erkennt schnell, dass er es mit einem Stück Münchner Geschichte zu tun hat. Anfang der Siebzigerjahre wurde an der Katholischen Stiftungsfachhochschule an der Preysingstraße eine Kindergruppe zur Betreuung von Kindern der Studierenden und Dozenten ins Leben gerufen. Über mehrere Stationen landete die wohl älteste Elterninitiative Münchens schließlich im Werksviertel-Mitte. Dort stand 1997 die ehemalige Kartoffelprüfstelle der Pfanni-Werke frei. Um dieses Gebäude – nicht mehr als ein zweistöckiger Bungalow – in eine KiTa zu verwandeln, brauchte es viel Fantasie, Tatkraft und Eigenarbeit. Der Kinderinsel gelang der Coup.
Als Monika Köhn 2003 ihre Stelle als Erzieherin in der Kinderinsel antrat, sagte sie sich: „Solange ich etwas lernen kann, bleibe ich.“ Sie ist immer noch da, mittlerweile als stellvertretende Leitung und Gruppenleitung des Kindergartens. In den zurückliegenden Jahren hat sie zum Beispiel viel über Toleranz gelernt. „Ich habe außerdem meine Beziehungsfähigkeit ausgebaut.“ Ihr Gespür für Gruppendynamiken – wo ist gerade ein Widerstand? Was brauchen Teile der Gruppe gerade, um ins Miteinander zurückzufinden? – hat sie ebenfalls weiterentwickelt. Spricht man mit Monika Köhn über die Bedeutung ihrer Arbeit, landet man schnell bei den ganz großen Themen. Freiheit und Sicherheit zum Beispiel. Viele Menschen würden denken, dass Freiheit und Sicherheit Gegensätze seien. Monika Köhn denkt das nicht. Beides seien schließlich menschliche Grundbedürfnisse. „Wir alle sind Individuen. Wir wollen frei leben und uns gesellschaftlich einbringen können und sozial verbunden fühlen.“ Eben Sicherheit spüren.
Der Raum, in dem die Kinderinsel seit gut 30 Jahren zu Hause ist, ist für Monika Köhn dabei Chance und Herausforderung zugleich. So lässt die Lage einer neu eingebauten Brandschutztür beispielsweise eine bestimmte pädagogisch sinnvolle Anordnung der Tische nicht mehr zu. Dafür können die Kinder in dem großen grünen Garten herumtoben, der die alte Kartoffelprüfstelle umgibt. „Es hat alles sein Für und Wider.“ Doch demnächst werden die Karten für die Kinderinsel neu gemischt. Die Elterninitiative soll auf dem Gelände in einen sanierten Bestandsbau umziehen. Freut sich Monika Köhn darauf, das Improvisorium der Kartoffelprüfstelle hinter sich zu lassen? Sie lächelt freundlich. „Am Für und Wider wird sich auch in den neuen Räumlichkeiten nichts ändern.“ Ja, es werde Dinge geben, die dort einfacher sind. Und gleichzeitig werden Dinge fehlen, die die Kinderinsel heute ausmachen. Und mit Sicherheit wird es ein paar Dinge geben, die Monika Köhn ganz neu lernen wird.
FOTOGRAFIERT IN DER LANDWIRTSCHAFTS-ABTEILUNG
Das WERK8, die ehemalige Kartoffelprüfstelle, aus dem Jahr 1985 diente früher zur Eingangs- und Qualitätskontrolle der angelieferten Kartoffeln, die später im Werk verarbeitet wurden.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026