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T RÄUME. Leben rund um die Uhr 02 Uhr - LEONHARD VON LIEL

Was macht einen Ort zu dem, was er ist? Anhand der Stunden eines Tages zeigt die Ausstellung T RÄUME 24 Porträts von Menschen, die mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wirken die Räume unseres Stadtquartiers nachhaltig prägen oder geprägt haben.

Leo von Liel im Gin City im WERK12. T RÄUME - 24 Stunden im Werksviertel-Mitte. Eine Ausstellung zum 30-jährigen Jubläum der Werksviertel-Mitte Stiftung. Fotograf Julian Schulz Copyright: Julian Schulz

LEONHARD VON LIEL MACHT PARTY

Wer auf der Suche nach dem Gin des Lebens ist, hat große Chancen, ihn spätnachts im Gin City zu finden. Leonhard von Liel ist im Münchner Nachtleben groß geworden. Als rechte Hand der Geschäftsführung für diverse Gastrobetriebe im Quartier betreut er heute unter anderem die elegante Gin City Bar im WERK12, die ehrliche WERKsbar, die fröhliche Kölsch Bar sowie den legendären Schlagergarten. Auch nach Jahren im Beruf wundert er sich noch immer darüber, warum in der Gastro eigentlich ständig etwas kaputt ist und repariert werden muss.

IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2018

Leonhard von Liel – kurz Leo gerufen – weiß ganz genau, wann eine Party gut war. Und wann nicht. Er bekommt die Bewertung seiner Partys schließlich häufig schriftlich. Leo ist nämlich die rechte Hand der Geschäftsführung für diverse Gastrobetriebe im Werksviertel. „Ich liebe es, für Kunden Events und Partys zu veranstalten. Hinter jeder Anfrage stecken andere persönliche Ideen. Jeder will etwas anderes.“ Genau diese Herausforderungen lassen das Dienstleisterherz von Leo aufleben. „Egal, wie gespinnert sich manche Wünsche anfangs anhören mögen … Der Kunde ist König. Und wenn ich am Tag danach eine Mail bekomme, in der es heißt, dass die Party einfach nur geil war … Das ist für mich das Schönste.“

Zu den Lokalen, die Leo betreut, gehören unter anderem die elegante Gin City Bar, die sich im 2019 fertiggestellten neugebauten WERK12 befindet. Die ehrliche WERKsbar und die fröhliche Kölsch Bar, die in den umgebauten Schiffscontainern entlang der Speicherstraße untergebracht sind. Oder der legendäre Schlagergarten, der sich früher neben der NachtKantine befand und 2019 ebenfalls ins neue WERK12 gezogen ist. In die Nachtgastro ist der studierte BWLer so reingerutscht. „Ich habe schon während meines Studiums nebenher in der Gastro gearbeitet.“ Und gemerkt, dass, wenn man sich gut anstellt, das Gastro-Gewerbe entgegen allen Unkenrufen eine ziemlich einträgliche Möglichkeit ist, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach dem BWL-Studium wollte sich der heute 35-Jährige mit einem dualen Studium im Gastronomiemanagement spezialisieren. Im Werksviertel-Mitte bekam er die Möglichkeit dazu. Doch nach einem Jahr war klar, dass das Arbeitspensum eigentlich für eine Festanstellung ausreichte. Die bekam Leo dann auch. In der Gastro gibt es schließlich immer was zu tun. Selbst wenn man, wie Leo mittlerweile, nicht mehr jeden Tag im Lokal oder hinter der Bar zu finden ist. Mit dem Gin City verfolgen er und seine Mitstreiter ambitionierte Ziele. Die eigene Gin-Marke soll die Gastro-Welt und den Einzelhandel erobern. Und der Tagesbetrieb der Lokale im Werksviertel-Mitte soll ja auch reibungslos laufen, was vor allem durch die Technik gerne sabotiert wird: „Irgendwie ist in der Gastro ständig etwas kaputt“, sagt Leo. Fehler müssen behoben werden. Das Kassensystem und das Warenwirtschaftsprogramm müssen regelmäßig gecheckt werden. Stimmen die Bestände?

Auf die Frage, was ein Lokal – ob Restaurant, Bar oder Club – besonders macht, antwortet Leo ohne zu zögern: „Das Personal“. Das beste Beispiel sei für ihn der Schlagergarten, wo noch immer Mitarbeitende aus der Zeit der Kultfabrik arbeiten. Die Crew dort sei einfach ein eingeschworenes Team. „Geht man in den Schlagergarten, hat man als Gast sofort das Gefühl: Das ist DIE Party heute. Egal, ob das an einem Donnerstag oder an einem Samstag ist.“ Leo ist überzeugt, dass ein Gast spürt, ob das Personal hinter dem Lokal steht. Im Schlagergarten jedenfalls arbeiten alle jeden Tag so, als würden sie die Party des Jahres feiern. Und am nächsten Tag blinken im Mail-Postfach von Leo wieder die Dankes-Mails.

FOTOGRAFIERT IM WERK12
Wie auf alten Luftbildern zu erkennen ist, entstand das WERK12 auf Freiflächen des ehemaligen Pfanni-Werksgeländes. Diese dienten als Aufstellort für Lagerhallen, als offene Lagerflächen oder lagen zum Teil einfach brach. Zu Zeiten des Kunstpark Ost und der Kultfabrik wurden sie als Parkplatz und für erste Open-Air-Veranstaltungen genutzt.

Beim WERK12 handelt es sich um einen Neubau. Das von MVRDV entworfene WERK12 wurde 2019 fertiggestellt. In ihm befinden sich Restaurants, Bars, Clubs, Büros und ein dreigeschossiges Fitnessstudio mit Pool. An der Fassade fallen sofort die fünf Meter hohen Schriftzüge auf. Die sechs Worte wie „AAHHH“, „OH“ oder „WOW“ sind der universell überall auf der Welt verstandenen Comicsprache entlehnt. Das künstlerische Konzept wurde im Rahmen eines Wettbewerbs von Engl & Engelmann aus München entwickelt und versteht sich als Hommage an die Graffiti-Kultur des Quartiers sowie an die Werbetafeln und Schriftzüge, die den Ort geprägt haben.

2021 wurde das Gebäude vom Deutschen Architekturmuseum als „Bestes Bauwerk des Jahres“ ausgezeichnet.

T RÄUME.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers.
Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.

Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18

Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr

Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026

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