MARCO TRENNER HEIZT EIN
Ohne Menschen wie Marco Trenner würde sich im Werksviertel-Mitte das Riesenrad nicht drehen. Auch die Herdplatten bei Khanittha blieben kalt. In den Büros des Viertels würden die Menschen auf schwarze Bildschirme starren. Die Schranken der Parkgaragen würden sich nicht öffnen. Die Heizungen würden nicht warm. Überall, wo Strom, Wärme oder Kälte gebraucht wird, gäbe es ein Problem. Der Elektrotechniker trug mit seiner Arbeit jahrelang dazu bei, dass die dezentrale Versorgung des Werksviertel-Mitte durch die werkkraft mit Strom, Wärme und Kälte reibungslos funktioniert.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2016
Marco Trenners Reich im Kellergeschoss des WERK1 besteht aus hunderten Rohren, dicken Kabeln, riesigen Tanks und kompliziert aussehenden Maschinen, die vor sich hin lärmen. Vor etwas mehr als zehn Jahren hat der Elektroinstallateur die Energiezentrale des Werksviertel-Mitte mitaufgebaut und kümmert sich heute im Auftrag der sogenannten werkkraft von Montag bis Donnerstag um die Betriebsführung der Anlage. Dass er einmal die gesamte Energieversorgung eines Stadtquartiers überwacht, hätte Marco Trenner sich davor nicht träumen lassen. Schließlich betreut das Unternehmen, für das er seit 36 Jahren ohne Unterbrechung arbeitet – die Josef Weiß Elektrotechnik GmbH – normalerweise Industriekunden. Für die haben Marco Trenner und seine Kollegen mal größere, mal kleinere interne Energienetze gebaut. Das Energiesystem für ein ganzes Stadtquartier ist da schon was Besonderes.
Die Idee, in einen Keller, der niemals dafür konzipiert oder geplant wurde, ein hochmodernes Energiesystem einzubauen, klingt nicht nur aberwitzig. Sie ist es ein Stück weit auch. „Aber sie hat funktioniert“, stellt Marco Trenner nicht ohne Stolz fest. Erstens war der Plan gut, der gemeinsam mit der Bayernwerk Natur entwickelt wurde. Zweitens wurde dieser Plan von Marco Trenner und seinen Kollegen gut umgesetzt. Und drittens konnte man ein Stück weit darauf aufbauen, dass schon beim Werkausbau zu Pfanni-Zeiten sehr vorausschauend geplant wurde. Etwa beim sogenannten Medienkanal, einem unterirdischen Tunnel, über den heute die Energie ins Viertel transportiert und verteilt wird. Zu Pfanni-Zeiten war der Medienkanal eigentlich überdimensioniert. Heute ist seine Dimension ein Segen. Die Kosten für den Netzausbau im Quartier wären sonst sehr viel größer gewesen.
Dass das Werksviertel-Mitte eine eigene Energiezentrale hat, hängt aber nicht nur mit der Geschichte des Quartiers zusammen und mit den Ambitionen in Sachen Klimaneutralität. Zwar laufen die Blockheizkraftwerke derzeit noch mit fossilen Energieträgern. Doch sämtliche CO2-Emissionen werden mit lokalen CO2-Zertifikaten kompensiert. Außerdem arbeitet das System mit der sogenannten Sektorenkopplung, so dass mehr als 95 Prozent der von der werkkraft erzeugten Energie tatsächlich genutzt werden können.
FOTOGRAFIERT IM WERK1
1955 wurde das WERK1, Bauteil A, als Verwaltungsgebäude von Pfanni mit Kantine offiziell eingeweiht. Dem heute unter Denkmalschutz stehenden Kopfbau folgte zwei Jahre später Bauteil B, welches als Büro, Fabrikations- und Lagerort diente. Der Bau schloss zudem die Lücke zu einem alten, schon länger bestehenden Fabrikgebäude, das kurz darauf teilweise abgerissen und aufgestockt wurde und heute Bauteil C ist. Zahlreiche Umbaumaßnahmen und Aufstockungen kennzeichneten die folgenden Jahre, um für den ständig wachsenden Betrieb neue Flächen für Fabrikation und Büros entstehen zu lassen.
In den Zeiten des Kunstpark Ost und der Kultfabrik beherbergte das WERK1 dann zahlreiche legendäre Clubs wie das New York Table Dance, den Titty Twister oder das Kalinka. Seit 2020 arbeitet im Untergeschoss des Gebäudes das Blockheizkraftwerk. Mit seinen 32 Zylindern und einer elektrischen Gesamtleistung von 1700 kW versorgt es das Viertel mit Wärme und Strom, zudem erzeugt es über eine Absorptionsmaschine auch Kälte. 2023 wurde das Ensemble durch das WERK1.4 ergänzt. Die Fertigstellung des neuen Gebäudeteils war gleichzeitig der Startschuss für eine umfassende Sanierung der Bauteile A bis C. Sie werden unter anderem die zukünftige Heimat für die Unternehmensfamilie des Werksviertel-Mitte sein.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026