SINA ROBRA BRINGT NATUR IN DIE STADT
Sina Robra ist Projektleiterin der Almschule im Werksviertel-Mitte. Das Umweltbildungsprojekt wird von der Werksviertel-Mitte Stiftung betreut und ist auf der Stadtalm zu Hause, die sich auf dem Dach des WERK3 befindet. In der Almschule lernen Kinder und Jugendliche erlebnisorientiert zu Nachhaltigkeitsthemen wie Bewegung und Ernährung, Handwerk und Landwirtschaft oder aber Mensch-Umwelt-Beziehungen.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2021
Als Sina Robra ihren 18. Geburtstag in der Kultfabrik auf dem Areal des heutigen Werksviertel-Mitte feiert, ist die Idee der Almschule, die sie genau hier einmal leiten wird, noch nicht geboren. Das WERK3, auf dem die Almschule heute zu Hause ist, ist zu jener Zeit noch immer ein industrieller Zweckbau, der von Kreativen und Künstlern bevölkert ist. Als das Gebäude kernsaniert wird, stellt sich den Verantwortlichen die Frage, wie sie mit dem Dach umgehen. Mit den Planungsbehörden ist eine Begrünung vereinbart. Als Ausgleichsfläche für die dichte Bebauung und die damit einhergehende Versiegelung im Quartier. Normale Bauherren setzen an dieser Stelle auf kostengünstigen und pflegeleichten Magerrasen. Im Werksviertel-Mitte wächst dagegen eine ganz andere Idee: Was, wenn das Dach richtig begrünt wird? Mit einer Wildblumen- und Kräuterwiese und mit echten Obstbäumen? Und wer kümmert sich darum? Jemand sagt „Schafe“. Die würden nicht so viel Lärm machen wie ein Rasenmäher. Gelächter. Doch aus dem scheinbaren Witz wird ein Prüfauftrag. Und tatsächlich entsteht auf dem Dach des WERK3 mit der Stadtalm der vielleicht ungewöhnlichste Ort im an ungewöhnlichen Orten nicht armen Werksviertel-Mitte.
Sina Robra arbeitet sich zu dieser Zeit durch ihr Geographiestudium im Bachelor. Als sie damit fertig ist, macht sie noch einen Masterstudiengang Umweltplanung und Ingenieursökologie mit Schwerpunkt Klimawandel, Management der Urbanisierung und Umweltrecht. Bereits während ihres Studiums arbeitet sie als Coach, hält Vorträge und gibt Seminare. Ihr Traum ist es, in die Entwicklungszusammenarbeit ins Ausland zu gehen. Die Flüge nach Tansania sind schon gebucht, als Corona ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung macht. Sie bleibt in München. Wird Lehrerin. Bekommt ein Kind und geht in Elternzeit. Dann findet sie die Almschule und fängt dort 2021 als Kursleiterin an.
Aus dem Dach des WERK3 ist in der Zwischenzeit tatsächlich eine kleine Stadtalm entstanden. Mit einem Schaf- und Hühnerstall, Hochbeeten, der Wildblumen- und Kräuterwiese und eben auch mit einem ambitionierten Bildungsprojekt für Kinder und Jugendliche. Es ist ein Ort, der jeden, der ihn das erste Mal sieht und fühlt, in Erstaunen versetzt. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Kinder, Jugendliche und selbst Erwachsene auf der Stadtalm aufblühen“, sagt Sina Robra. Die Almschule arbeitet bewusst auch mit pädagogischen Förderzentren zusammen. „Von einigen der Lehrkräfte dort haben wir hinterher gehört, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler noch nie so offen erlebt hätten.“ Das erlebnisorientierte Lernen zu Bewegung und Ernährung, Handwerk und Landwirtschaft sowie Mensch-Umwelt-Beziehungen kommt richtig gut an. Die Nachfrage wächst so stark, dass die Almschule eine eigene Projektleitung benötigt. Als Sina Robra die Stelle angeboten bekommt, greift sie zu. Lernten 2024 noch 500 Kinder auf der Almschule, waren es ein Jahr später bereits 2000.
Als Projektleiterin der Almschule kümmert sich Sina Robra um die Koordination und Weiterentwicklung des Projekts. Zudem arbeitet sie an weiteren Stiftungsprojekten, wie etwa dem DAY OF HOPE, mit. Es ist ein vielseitiger Bürojob, doch das Büro der Werksviertel-Mitte Stiftung ist wiederum auch so ein ungewöhnlicher Ort. Während beim Anblick der raumhohen Fenster Großstadtgefühle aufkommen, sorgt die antik anmutende Holzvertäfelung an den Wänden für bayerische Heimeligkeit. Aber es macht Sinn, dass sich diese Holzvertäfelung genau hier befindet. Früher zierte sie das Büro von Mr. Pfanni Otto Eckart. Jenem Mann, der 1996 die Stiftung des Werksviertel-Mitte ins Leben rief.
Verbundenheit ist ein Thema, das Sina Robra derzeit auch in ihrer Arbeit beschäftigt. „Die Kurse an der Almschule dauern meist nur einen Vormittag. Wir würden in Zukunft gerne auch einen ganzen Tag im Werksviertel-Mitte anbieten und dabei Angebote anderer Siedler integrieren, die für die Kinder spannend sein könnten.“ Etwa gemeinsam im Heavens Gate klettern. Bei einem der Handwerker ein Upcycling-Projekt starten. Oder mit Harry Gruber gerettete Lebensmittel verkochen. „Wenn wir so vielfältige Projekte und Angebote im Quartier haben, dann sollten wir das auch nutzen.“
FOTOGRAFIERT IM ECKHAUS
Der 1985 fertiggestellte Büroneubau war die einstige Firmenzentrale von Pfanni. Es ist nicht nur die Heimat von zahlreichen Firmen der Unternehmensgruppe Werksviertel-Mitte. Das ehemalige Büro Otto Eckarts im 6. OG des ECKhaus beherbergt heute zum Beispiel die Geschäftsführung der von ihm einst ins Leben gerufenen Stiftung. Die Räumlichkeiten mit der markanten Holzvertäfelung sind weitgehend im Originalzustand erhalten.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026