KARIN WÖLFEL ERRICHTET BRÜCKEN IN IHRE HEIMAT
In Guatemala geboren, in München zu Hause: Karin Wölfel schlägt eine Brücke zwischen zwei Welten. Während die bayerische Metropole längst ihr Lebensmittelpunkt geworden ist, bleibt das Herz der gebürtigen Guatemaltekin eng mit ihrer alten Heimat verbunden. Die Vermittlerin zwischen den Kulturen leitet seit 1985 das guatemaltekische Honorarkonsulat im Werksviertel-Mitte. Sie hat 1998 den Verein Guate Pro e.V. gegründet und war dort Vorsitzende. Ab 2025 wurde der Verein abgelöst; er wird unter dem Dach der Werksviertel-Mitte Stiftung als Guate Pro Projekte weitergeführt und organisiert und finanziert diverse Hilfsprojekte in Guatemala.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 1985
Eigentlich ist Karin Wölfel längst im Rentenalter. Mit 77 Jahren gehört sie zu den aktiven Rentnerinnen. Warum? „Weil ich meine Arbeit liebe und sie mir jeden Tag Freude macht“, sagt Karin Wölfel mit einem Lächeln. Dann fügt sie einen Satz hinzu: „Außerdem hat Otto immer gewollt, dass ich bleibe. Und heute will Werner, dass ich bleibe.“ Mit Otto ist Otto Eckart gemeint, der 1974 wie sein Vater zuvor zum Honorarkonsul von Guatemala ernannt wurde. Mit Werner ist Werner Eckart gemeint, der die Transformation des Industrieareals zum lebendigen Kreativ- und Ausgehquartier maßgeblich gestaltet hat. Die Unternehmerfamilie ist dem mittelamerikanischen Land über eine Freundschaft verbunden, die ihren Ursprung um das Jahr 1850 hat.
Karin Wölfel kommt 1985 auf Empfehlung ihrer Vorgängerin ins Werksviertel-Mitte, um das Honorarkonsulat zu führen. Im selben Jahr wird das ECKhaus fertiggestellt. In der Folge beginnt eine muntere Wanderschaft. Diese beginnt im 6. Stock. „Dort sind wir mehrmals umgezogen, weil das Büro erst klein war oder der Platz doch anderweitig gebraucht wurde“, sagt Karin Wölfel. Als das Unternehmen Pfanni wächst und mit ihm die Managementebene im 6. Stock, geht es für das Konsulat ins Erdgeschoss. Und zwar in jene Räumlichkeiten, in denen sich heute das Fachgeschäft von Blumen Haas befindet. Als die Umbauarbeiten für das neue Werksviertel-Mitte in der Atelierstraße beginnen, zieht Karin Wölfel noch einmal um, ins erste OG des ECKhauses, in dem sich das Konsulat noch immer befindet. Wer das Honorarkonsulat betritt, merkt sofort, dass es weit mehr ist als ein Ort für konsularische Angelegenheiten. Die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Räume, traditionelle Kunst- und Dekorationsobjekte sowie zahlreiche tropische Pflanzen schaffen eine Atmosphäre, die Besucher unmittelbar nach Guatemala versetzt.
Was sich in all der Zeit nicht geändert hat: Das Honorarkonsulat im Werksviertel-Mitte ist und bleibt ein wichtiger Anlaufpunkt für die guatemaltekische Community in München. Schließlich unterstützt das Konsulat nicht nur bürokratisch bei Staatsbürgerschaftsangelegenheiten, sondern setzt sich auch dafür ein, die Kultur des Landes lebendig zu halten. Karin Wölfel schreibt und illustriert Bücher, mit denen sie die Kultur Guatemalas einem breiten Publikum näherbringt. Dazu gehören unter anderem Kinderbücher, die Eltern dabei unterstützen, ihren Kindern die guatemaltekischen Sitten, Bräuche und Traditionen zu vermitteln. Darüber hinaus veröffentlichte sie ein spanischsprachiges Kochbuch mit traditionellen guatemaltekischen Rezepten, ein Buch über den Nationalvogel Guatemalas, den Quetzal, sowie ein liebevoll gestaltetes Malbuch rund um Guatemala.
Es finden regelmäßig Empfänge für die Guatemaltecos statt. Die städtebauliche Entwicklung des Areals macht nun jedoch auch größere Veranstaltungen wie das Mittelamerika-Fest möglich, das einmal im Jahr stattfindet. Oder das Guatemuc, ein kleines Lokal mit guatemaltekischer Küche und landestypischer Einrichtung. Es befindet sich im ECKhaus im alten – wie passend! – Sensorik-Labor der Pfanni-Fabrik. Geht Karin Wölfel heute durchs Werksviertel-Mitte, staunt sie.
FOTOGRAFIERT IM ECKHAUS
Das Honorarkonsulat der Republik Guatemala in München besteht seit 1962. Dem derzeitigen Honorarkonsul Werner Eckart wurde im März 2017 das Exequatur erteilt. Zuvor waren bereits sein Großvater Werner Eckart sowie sein Vater Otto Eckart zum Honorarkonsul von Guatemala ernannt worden. Das Konsulat war dabei in wechselnden Räumlichkeiten untergebracht und befindet sich heute in ehemaligen Büroräumen im 1. OG.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026