WERNER ECKART BAUT VIELFALT
Werner Eckart ist in den Pfanni-Werken, die heute das Werksviertel-Mitte sind, groß geworden. Die Transformation und Entwicklung des neuen Stadtquartiers auf dem alten Industriegelände folgt dabei dem Leitmotiv der Urenkeltauglichkeit. Denn was wir heute tun, entscheidet mit darüber, wie künftige Generationen eines Tages leben werden.
IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 1968
Fragt man Werner Eckart nach seiner ersten Erinnerung an das Gelände, erzählt er von der Kartoffelkippe. Die befand sich neben dem Waghäusl, wo die Traktoren mit den Kartoffelanhängern ankamen. Nachdem die Kartoffeln gewogen worden waren, fuhren die Anhänger auf die Kartoffelkippe, auf der die Kartoffeln in ein riesiges Wasserbassin gekippt wurden. „Als Kind hat mich das unheimlich fasziniert.“ Später – Werner Eckart ist vielleicht acht Jahre alt – fährt er an den Wochenenden mit einem Aufsitzrasenmäher – ein Geschenk seines Patenonkels – über das Gelände. Rasen gab es freilich keinen zu mähen. „Ich war der Schrecken aller LKW-Fahrer“, erzählt Werner Eckart mit einem Lachen. Als er als Jugendlicher endlich seinen Führerschein macht, übt er das Anfahren am Berg an der besagten Kartoffelkippe.
Wenn Werner Eckart heute auf das Werksviertel-Mitte blickt, freut er sich, dass es tatsächlich überall so geworden ist, wie er sich das vorgestellt hat. Diese lebendige Verzahnung von Arbeits- und Freizeitwelt. Auch wenn die Wohnwelt noch fehlt, „die alles rund machen würde“. Wann hat ihn das Viertel zum letzten Mal überrascht? „Als der Zirkus Roncalli zu Gast war – auf der Fläche, die für das neue Konzerthaus vorgesehen ist –, alles reibungslos lief und uns gezeigt hat, wie die Belebung des Viertels mit einem Konzerthaus funktionieren könnte“, sagt Werner Eckart.
Wenn alle Welt ins Werksviertel-Mitte strömt und sich der Verkehr auf der Friedenstraße eine Zeit lang staut, sich vor der TonHalle und dem Zirkus, der gerade da ist, lange Schlangen bilden, dann ist das das beste Kompliment für all die Arbeit und Energie, die er und hunderte andere Menschen jeden Tag ins Viertel stecken. „Für das Leben bei uns sorgen am Ende immer die Siedler und die Nomaden“, sagt Werner Eckart. Siedler werden im Werksviertel-Mitte die Menschen genannt, die hier arbeiten. Nomaden sind die Besucher, die tagsüber oder am Abend im Viertel vorbeischauen. Die Räume und Gebäude, die ihnen das Viertel zur Verfügung stellt, sind im Grunde nichts anderes als Lebenswerkzeuge.
Fragt man Werner Eckart nach seinen Träumen, spricht er die baulichen Lücken an, die es im Viertel noch gibt: die Konzerthausfläche und die Wohnungen. „Ich hoffe, dass wir sie bald schließen können.“ Doch der wohl wichtigste Traum, der habe sich schon erfüllt: „Dass ich so oft erleben darf, dass sich die Menschen im Viertel mit einem Lächeln begrüßen.“
FOTOGRAFIERT AUF DEM KNÖDELPLATZ
Der Knödelplatz ist mit seinen knapp 1900 m² der zentrale Platz des Werksviertel-Mitte – mal Veranstaltungsfläche für Konzerte, Festivals oder Märkte, mal Open-Air-Kantine, oft beides zugleich. Zu den Besonderheiten des Platzes gehört ein begehbares Kunstwerk von Ugo Dossi. Es handelt sich um ein riesiges Bodenmosaik mit dem Titel „Knödelteller“. Das Werk zeigt einen Teller mit sieben Knödeln und erinnert damit unmittelbar an die Pfanni-Geschichte.
Zu Pfanni-Zeiten lag der Platz brach, wurde als Park- oder Lagerfläche genutzt. Die Idee für das Dossi-Kunstwerk entstand bereits um 2013, als die Pläne für das benachbarte WERK3 noch entwickelt wurden. Der besondere Clou liegt im Maßstab und in der Perspektive: Dossi übersetzte das gerasterte Foto eines Knödeltellers in mühevoller Handarbeit in die Pflastersteine – die Fläche besteht aus alten und neuen Verbundsteinen der Pfanni-Fabrik mit gestreut hellen und dunklen Farbtönen. Wer auf dem Platz steht, sieht nur abstrakte Formen. Erst aus großer Höhe setzen sich die Pixel zum erkennbaren Motiv der sieben Knödel zusammen.
T RÄUME.
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers. Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.
Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18
Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr
Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026