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T RÄUME. Leben rund um die Uhr 21 Uhr - ANNE SCHOENHOLTZ WAGT NEUES

Was macht einen Ort zu dem, was er ist? Anhand der Stunden eines Tages zeigt die Ausstellung T RÄUME 24 Porträts von Menschen, die mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wirken die Räume unseres Stadtquartiers nachhaltig prägen oder geprägt haben.

Anne Schoenholtz auf dem Baufeld für das Konzerthaus. T RÄUME - 24 Stunden im Werksviertel-Mitte. Eine Ausstellung zum 30-jährigen Jubiläum der Werksviertel-Mitte Stiftung. Fotograf Julian Schulz Copyright: Julian Schulz

ANNE SCHOENHOLTZ WAGT NEUES

Anne Schoenholtz ist seit 2011 Violinistin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO). Seit drei Jahren moderiert sie außerdem den SCHOENHOLTZ – Orchester-Podcast, in dem sie mit Kolleginnen und Kollegen spannende Einblicke in den Alltag des Orchesters gibt. Die meisten der mehr als 100 produzierten Folgen wurden im eigenen BRSO-Container im Container Collective im Werksviertel-Mitte aufgezeichnet.

IM WERKSVIERTEL-MITTE SEIT: 2016

Werksviertel-Mitte. Es ist 21 Uhr. Typische Vorstellungszeit. Hinter Anne Schoenholtz ragt das WERK4 in den dunkel werdenden Abendhimmel. Neben ihr dreht das UMADUM-Riesenrad seine Runden. Als die Violinistin das erste Mal an genau diesem Ort war, stand sie gemeinsam mit beinahe 100 Kolleginnen und Kollegen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und dem damaligen Dirigenten Mariss Jansons auf dem Dach des WERK2. Seit Jahren sind die Musikerinnen und Musiker auf der Suche nach einer neuen Heimat. Und hoffen, sie im Werksviertel-Mitte endlich gefunden zu haben. Es ist das Jahr 2016. „Als Ruhrpottkind spricht mir die Idee des Werksviertels aus der Seele“, sagt Anne Schoenholtz. So ein im besten Sinne bunter und auch ein wenig chaotischer, nicht so in Form gepresster Ort, der habe in München gefehlt.

Auf dem bunten Fundament des Werksviertel-Mitte entwickelt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks seine eigene Vision von einem Konzerthaus für alle. „Wir streben nicht einfach nur einen neuen Saal an. Wir würden als Orchester endlich gern eine Heimat haben, von der aus wir in die Zukunft aufbrechen können.“ Einer Zukunft, die dem Orchester eine neue Nähe zum Publikum ermöglicht. In den Proben. Digital. Oder im Werksviertel selbst.

Während die Konzerthauspläne noch immer überdacht werden, hat das Orchester seinen Aufbruch in eine solche Zukunft im Werksviertel bereits begonnen. „Wir wollten einfach starten und uns ausprobieren. Aber auch zeigen, wie klassische Musik im 21. Jahrhundert nahbarer sein und noch mehr Menschen erreichen und vor allem auch miteinander verbinden kann.“ Das Werksviertel ist die perfekte Spielwiese dafür. Mal lädt das BRSO zum Familientag ins Viertel. Mal zum Tag der offenen Tür an ungewöhnlichen Spielstätten. In der eigens aufgelegten Konzertreihe Watch This Space experimentiert das Orchester mit Moderationen, Lichteffekten, Bewegung oder neuen Konzertformaten. 2023 startete der eigene Orchesterpodcast, den Anne Schoenholtz moderiert und der auch ihren Namen trägt. Die meisten der mehr als 100 produzierten Folgen wurden im eigenen BRSO-Container im Werksviertel-Mitte aufgezeichnet. Manchmal proben auch Musikerinnen oder Musiker im Container.

Und dann war da ja noch der legendäre und gefeierte Flashmob mit Sir Simon Rattle, bei dem sich Musiker des BRSO mit dem Landesjugendorchester und Musikerinnen aus ganz Bayern zusammentaten und unter anderem Filmmusiken aus Star Wars unter freiem Himmel spielten. Sie spielten auf dem Mariss-Jansons-Platz. Ein Denkmal im Viertel für den 2019 verstorbenen Dirigenten des BRSO. In der ebenfalls nach ihm benannten Mariss Bar, einem kleinen italienischen Lokal am Platz, ist an einer Wand ein Taktstock des Dirigenten ausgestellt. An einer anderen hängt das eindrucksvolle Bild des BRSO auf dem Dach des WERK2. Lebendig gehaltene Geschichte. Über die sich auch Anne Schoenholtz freut. „Ich vermisse ihn so sehr, wie ich die Zeit mit Sir Simon jetzt genieße. Was ich unter diesem Taktstock alles erleben durfte.“

Welche drei Wünsche hätte Anne Schoenholtz, wenn ihr morgen eine gute Fee begegnen würde? „Ich würde mir natürlich zuerst das Konzerthaus für alle wünschen. Genau hier im Werksviertel. Mein zweiter Wunsch wäre, dass es uns als Orchester gelingt, diesen Ort von Anfang an auszufüllen. Ich hätte so Lust, dass wir als Orchester mit unserer Energie in diesen Ort hineinwirken. Und dass wir natürlich auch mit den Energien spielen, die von außen auf uns wirken. Bei meinem dritten Wunsch wäre ich ein bisschen egoistisch: Ich wäre sehr offen dafür, dass mir jemand ein wahnsinnig tolles Instrument zur Verfügung stellt.“ Anne Schoenholtz lacht. Der Lamborghini unter den Geigen ist natürlich eine Stradivari. „Von der wage ich gar nicht zu träumen.“ Aber Anne Schoenholtz würde sich auch über ein anderes besonderes Instrument freuen. „Ich hätte schon Lust, noch mal etwas ganz Großartiges und Neues auszuprobieren.“

FOTOGRAFIERT AUF DEM AREAL DES WERK2
Der erste Probelauf der Püree-Fabrikation 1959 in der Halle A gilt als Datum der Inbetriebnahme des WERK2. Die Produktionsstätte wächst in den folgenden fünf Jahren um weitere drei Hallen an. Neben Püree werden fortan auch Chips in den Hallen hergestellt. In der Party-Ära entstehen im ehemaligen WERK2 neben der Großraumdisco Babylon auch mehrere Clubs wie die Milchbar oder das K41. Restaurants wie das Matador sorgen für eine gewisse Kontinuität zum historischen Thema Lebensmittel. Seit dem Abriss der Hallen 2016 wartet das Münchner Publikum darauf, an diesem Ort wieder große Auftritte feiern zu können und musikalisch bestens unterhalten zu werden. Auf dem Areal ist das neue Konzerthaus, Heimat für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, geplant.

T RÄUME.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Transformation eines Stadtquartiers.
Eine Ausstellung der Werksviertel-Mitte Stiftung zum 30-jährigen Stiftungsjubiläum.

Ort: whiteBOX, Werksviertel-Mitte, Atelierstraße 18

Vernissage: 14.10. · 18:00 Uhr

Lange Nacht der Museen: 17.10. · ab 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 14.10. – 31.10.2026

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